Günther Effenberger
Klimakrise – eine fast echte TV-Diskussionsrunde

 

Diskussionsleiter*in: Claudia Fahrterer; Diskussionsteilnehmer*innen:
Loni Abwessler, Umweltminister*in; Caruso Falcao, Chefredakteur*in der Autozeitschrift »Alles im A«; Heinz-Christian Rache, freie(r) Politiker*in; Balthasar Holzwurm, Bioba(ä)uer*in aus dem Westviertel; Professor*in Dr. Dr. Irrmann, Zukunftsforscher*in

Fahrterer: Eines vorweg bitte für die Diskussion, wie immer: Kurz (alle lachen). Ich meine, halten Sie keine langen Reden! Und jetzt ins mediale res oder wie das heißt, bitte hören Sie auf zu lachen! Also: Das Auto hat bald ausgedient, es ist verantwortlich für die Klimakrise, es vernichtet Menschenleben, kostet Geld.

Abwessler: Wir Grüne haben da schon eine klare Vorstellung: Fahrverbot für Autos im Ortsgebiet, jedem Österreicher ein Gratis-Fahrrad…

Fahrterer: Gratis-Fahrrad…wie wollen Sie das aus dem Budget finanzieren?

Abwessler: Firmen können derzeit Autos steuerlich abschreiben, ein Wahnsinn eigentlich, eine Geldvergeudung der öffentlichen Hand, das würde ich sofort streichen, dann ist genug Geld da.

Fahrterer: Das würde ja auch Arbeitsplätze schaffen für eine österreichische Fahrradindustrie. Und der Benko würde das finanzieren…

Falcao: Jetzt muss ich den zweiten Gang einlegen. Also, wenn Sie, Frau Ab…wie? Abwasser? Ist egal, also wenn Sie meinen, das Auto gehört verboten, es vernichte Menschenleben, na ja, der Hitler hat mehr Menschenleben auf dem Gewissen…

Fahrterer: Lassen Sie um Himmels Willen den Hitler aus dem Spiel, der gehört nicht hierher…

Falcao: In der Zeitschrift »Profilierung« ist gestanden, dass Hitler für die Vollmotorisierung in Deutschland und Österreich verantwortlich war, und dass ich als Auto-Enthusiast mit meinen fünf italienischen Oldtimern…

Abwessler: So kommen wir nicht weiter, Herr Falaffo…

Fahrterer: Falcao! Falcao: Ist egal, Frau Abgewesser…Sorry: Abwessler natürlich!

Rache (springt auf): Ein für allemal: Es gibt keinen Hitler und keine Nazis mehr! Ich bin auch Autoliebhaber, aber dass ich als Nazi bezeichnet werden könnte, nur weil ich nicht mit dem Fahrrad fahre wie die Frau Abgessler, ist eine Unverschämtheit. Und eines möchte ich auch noch sagen: Ich bin für freie Fahrt für freie Bürger, jeder soll rasen, so schnell er möchte, und wenn er sich erschlägt, ist er selber schuld. Immer diese Bevormundungen durch die Grünen…

Fahrterer: Bleiben Sie bitte sachlich, Herr Rache! Und bitte, auch die anderen wollen zu Wort kommen. Herr Professor Irrmann, bitte!

Heinz-Christian Rache verlässt die Diskussionsrunde grußlos.

Professor Irrmann: Lassen Sie mich Folgendes sagen: Die Umwelt geht nicht allein am Auto zugrunde, sondern an der gesamten Welt. Es werden die Ressourcen ausgebeutet, und die Erderwärmung steuert der kommenden Eiszeit entgegen, die nach den Berechnungen der Universität für Weltentwicklung aus diesem Grund um zirka 200 Millionen Jahre später kommen wird. Da ist aber die Ausweitung der Wirtschaft in China und Indien noch gar nicht berücksichtigt. Holzwurm (ratlos): Wos? Fahrterer: Jetzt werden wir zu theoretisch, Herr Professor Irrmann. – Herr Holzwurm, Sie als Bio-Bauer haben ja eine natürliche Beziehung zur Natur. Auto – können Sie darauf verzichten?

Holzwurm: Na. Warum soll i?

Falcao: Sehen Sie, auch ein Bio-Bauer kann ohne Auto nicht auskommen.

Abwessler (zu Holzwurm): Ich hoffe aber doch, dass Sie einen Hybrid haben…

Holzwurm: Ich Gott sei Dank nicht, aber meine Frau hat einmal Hybriden gehabt, mit Kaltspülungen hat sie das weggebracht, ganz ohne Pulverl, Bio halt…

Fahrterer: Frau Abwessler meint, ob Sie ein modernes, abgasarmes Auto mit teilweisem Elektroantrieb haben oder zumindest mit Partikelfilter…

Holzwurm: Jo, ich hob an Pritschenwogen, der hat 480.000 Kilometer drauf, und ich fahr seit 32 Jahren damit. Aber bitte: Ob er einen Partikel…wos?

Falcao: Frau Abwessler, ich will jetzt nicht unter Ihre Gürtellinie zielen, aber haben Sie eigentlich außer einem Fahrrad auch ein Auto?

Abwessler: Das ist mir zu intim.

Fahrterer: Sie müssen die Frage nicht beantworten, Frau Ministerin. Im Mediengesetz ist geregelt, dass die Intimsphäre eines Menschen in jedem Fall geschützt werden muss. Aber ich denke, wir haben hier sehr viel erfahren, liebe Zuschauer und -rinnen, die Autos sind ein Problem, keine Frage, wie alles andere auch. Noch ein Schlusswort, Herr Professor Irrmann?

Professor Irrmann: Wir können den Planeten nicht vernichten, weder durch Autos noch durch Atomkraft. Wenn beispielsweise der ORF auf dem Küniglberg mit Atommüll verseucht wäre, dann könnten wir hier nicht mehr sitzen, aber unsere Forschungen haben gezeigt, dass sich unter dem Atommüll wieder atom-immune Lebewesen bilden würden, die in geschätzten 380 Millionen Jahren durchaus eine Kultur aufbauen könnten, die unserer Erde…

Stromausfall, Ende

www.allesauto.at

 

Leseprobe aus Einfach lachhaftLeseproben aus Tante Jolesch fährt Auto

„Gell’n S‘, Ihna g’fallt er a net…“ 

 

Thomas Bernhard war noch ziemlich unbekannt, sein Name war kaum auf den Kulturseiten der Zeitungen zu finden, und wenn, dann waren es nicht gerade Jubelmeldungen, die ihn umschmeichelten. Dem damaligen Burgtheaterdirektor Gerhard Klingenberg wurde vom Suhrkamp-Verlag die Uraufführung des Bernhard-Stücks „Die Jagdgesellschaft“ angeboten. Klingen­berg fand das Stück gut. Mit der Inszenierung beauftragte er Claus Peymann, und die Granden der Wiener Theaterwelt standen Kopf: „Des a no“, geiferten sie, „jetzt holt der Klingenberg auch noch den wahnsinnigen Peymann, diesen Piefke, nach Wien. Das Burgtheater ist am Ende.“
Zur Premiere lud Klingenberg den Regisseur Peymann und Thomas Bernhard in seine Loge ein. Peymann nahm die Einladung an, Bernhard aber suchte sich irgendwo im Publikum einen Platz, es kannte ihn ja niemand. Seine Nervosität steigerte sich während der Aufführung noch weiter, er wusste nicht, wie das Publikum auf das Stück reagieren würde. Zur Pause hielt er es nicht mehr aus, unerkannt schlich der Dichter zur Garderobe und holte sich seinen Lodenmantel. Die freundliche Garderobenfrau, die Bernhard natürlich ebenfalls nicht kannte, sagte, während sie ihm den Mantel gab: „Gell’n S‘, Ihna g’fallt er an net, der Scheißdreck!“

 

 

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Arschlecken per Fernschreiben 

 

…das verfängliche Gespräch mit Claus Peymann hatte André Müller geführt, er galt als einer der besten Interviewer seiner Zeit, er verführte seine Gegenüber zum Schwadronieren, ließ sie vergessen, dass da ein Tonband mitlief. An dem Tag des Peymann-Interviews wollte es der Zufall, dass der Journalist Müller ausgerechnet in dem Moment Peymanns Wiener Wohnung zum vereinbarten Gesprächstermin betrat, als dieser gerade einen Wutanfall auslebte. Der Grund: Seine Inszenierung der Shakespeare’schen Zauberkomödie »Der Sturm« war von der Kritik zerrissen worden – von »Zauberflaute« bis »bombastische Harmlosigkeit« erstreckte sich der Beurteilungskatalog deutscher und österreichischer Rezensenten. Per Fernschreiben forderte Peymann die betreffenden Kritiker auf, ihn doch gefälligst am Arsch zu lecken. Und dann kam André Müller, und das Tonband lief…

 

 

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Das wahre Gesicht 

 

Nicht jeder Journalist, so fähig er in seinem Fachgebiet auch sein mag, ist ein brillanter Schreiber. Der legendäre Hans Konitschek, Lokalreporter der »Kronen Zeitung« in den sechziger Jahren, war dank seiner exzellenten Beziehungen zur Polizei zumeist als Erster am Tatort, wenn ein Mord passierte. Wenn andere Journalisten noch auf den hochoffiziellen Polizeibericht warteten – Konitschek hatte mit Nachbarn und ermittelnden Beamten bereits ausführlich geredet, wusste oft schon, wer der Täter war und hatte seine Mordgeschichte längst zu Papier gebracht. Er war einer der bes­ten Lokalreporter des Landes. Nur eines konnte er nicht: druckreif formulieren.

Deshalb musste der diensthabende Redakteur der »Krone« Konitscheks Texte bearbeiten, bevor sie in Druck gingen. Oder besser gesagt: komplett umschreiben. Als der für diese Aufgabe abgestellte Roman Schliesser, späterer »Adabei« beim Kleinformat, einmal nicht im Haus war, setzte Konitschek nach einem besonders grässlichen Verbrechen, schreiberisch gänzlich allein gelassen, folgende Schlagzeile ins Blatt: Da blieb dem Auge des Gesetzes vor Schreck der Mund offen.

Als der Krone-Reporter einmal kurz vor Drucklegung die Meldung über ein Sexualdelikt im Überschwemmungsgebiet der Donau auf den Schreibtisch bekam, fehlten Zeit und die helfende Hand des Umschreibers. In höchster Eile diktierte Hans Konitschek folgenden Satz: Plötzlich zerrte der Unhold sein Opfer in ein Gebüsch, und dort zeigte er ihm sein wahres Gesicht.