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Arschlecken per Fernschreiben 

 

…das verfängliche Gespräch mit Claus Peymann hatte André Müller geführt, er galt als einer der besten Interviewer seiner Zeit, er verführte seine Gegenüber zum Schwadronieren, ließ sie vergessen, dass da ein Tonband mitlief. An dem Tag des Peymann-Interviews wollte es der Zufall, dass der Journalist Müller ausgerechnet in dem Moment Peymanns Wiener Wohnung zum vereinbarten Gesprächstermin betrat, als dieser gerade einen Wutanfall auslebte. Der Grund: Seine Inszenierung der Shakespeare’schen Zauberkomödie »Der Sturm« war von der Kritik zerrissen worden – von »Zauberflaute« bis »bombastische Harmlosigkeit« erstreckte sich der Beurteilungskatalog deutscher und österreichischer Rezensenten. Per Fernschreiben forderte Peymann die betreffenden Kritiker auf, ihn doch gefälligst am Arsch zu lecken. Und dann kam André Müller, und das Tonband lief…

 

 

 

 

 

 

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Das wahre Gesicht 

 

Nicht jeder Journalist, so fähig er in seinem Fachgebiet auch sein mag, ist ein brillanter Schreiber. Der legendäre Hans Konitschek, Lokalreporter der »Kronen Zeitung« in den sechziger Jahren, war dank seiner exzellenten Beziehungen zur Polizei zumeist als Erster am Tatort, wenn ein Mord passierte. Wenn andere Journalisten noch auf den hochoffiziellen Polizeibericht warteten – Konitschek hatte mit Nachbarn und ermittelnden Beamten bereits ausführlich geredet, wusste oft schon, wer der Täter war und hatte seine Mordgeschichte längst zu Papier gebracht. Er war einer der bes­ten Lokalreporter des Landes. Nur eines konnte er nicht: druckreif formulieren.

Deshalb musste der diensthabende Redakteur der »Krone« Konitscheks Texte bearbeiten, bevor sie in Druck gingen. Oder besser gesagt: komplett umschreiben. Als der für diese Aufgabe abgestellte Roman Schliesser, späterer »Adabei« beim Kleinformat, einmal nicht im Haus war, setzte Konitschek nach einem besonders grässlichen Verbrechen, schreiberisch gänzlich allein gelassen, folgende Schlagzeile ins Blatt: Da blieb dem Auge des Gesetzes vor Schreck der Mund offen.

Als der Krone-Reporter einmal kurz vor Drucklegung die Meldung über ein Sexualdelikt im Überschwemmungsgebiet der Donau auf den Schreibtisch bekam, fehlten Zeit und die helfende Hand des Umschreibers. In höchster Eile diktierte Hans Konitschek folgenden Satz: Plötzlich zerrte der Unhold sein Opfer in ein Gebüsch, und dort zeigte er ihm sein wahres Gesicht.