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„Gell’n S‘, Ihna g’fallt er a net…“ 

 

Thomas Bernhard war noch ziemlich unbekannt, sein Name war kaum auf den Kulturseiten der Zeitungen zu finden, und wenn, dann waren es nicht gerade Jubelmeldungen, die ihn umschmeichelten. Dem damaligen Burgtheaterdirektor Gerhard Klingenberg wurde vom Suhrkamp-Verlag die Uraufführung des Bernhard-Stücks „Die Jagdgesellschaft“ angeboten. Klingen­berg fand das Stück gut. Mit der Inszenierung beauftragte er Claus Peymann, und die Granden der Wiener Theaterwelt standen Kopf: „Des a no“, geiferten sie, „jetzt holt der Klingenberg auch noch den wahnsinnigen Peymann, diesen Piefke, nach Wien. Das Burgtheater ist am Ende.“
Zur Premiere lud Klingenberg den Regisseur Peymann und Thomas Bernhard in seine Loge ein. Peymann nahm die Einladung an, Bernhard aber suchte sich irgendwo im Publikum einen Platz, es kannte ihn ja niemand. Seine Nervosität steigerte sich während der Aufführung noch weiter, er wusste nicht, wie das Publikum auf das Stück reagieren würde. Zur Pause hielt er es nicht mehr aus, unerkannt schlich der Dichter zur Garderobe und holte sich seinen Lodenmantel. Die freundliche Garderobenfrau, die Bernhard natürlich ebenfalls nicht kannte, sagte, während sie ihm den Mantel gab: „Gell’n S‘, Ihna g’fallt er an net, der Scheißdreck!“

 

 

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Arschlecken per Fernschreiben 

 

…das verfängliche Gespräch mit Claus Peymann hatte André Müller geführt, er galt als einer der besten Interviewer seiner Zeit, er verführte seine Gegenüber zum Schwadronieren, ließ sie vergessen, dass da ein Tonband mitlief. An dem Tag des Peymann-Interviews wollte es der Zufall, dass der Journalist Müller ausgerechnet in dem Moment Peymanns Wiener Wohnung zum vereinbarten Gesprächstermin betrat, als dieser gerade einen Wutanfall auslebte. Der Grund: Seine Inszenierung der Shakespeare’schen Zauberkomödie »Der Sturm« war von der Kritik zerrissen worden – von »Zauberflaute« bis »bombastische Harmlosigkeit« erstreckte sich der Beurteilungskatalog deutscher und österreichischer Rezensenten. Per Fernschreiben forderte Peymann die betreffenden Kritiker auf, ihn doch gefälligst am Arsch zu lecken. Und dann kam André Müller, und das Tonband lief…

 

 

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Das wahre Gesicht 

 

Nicht jeder Journalist, so fähig er in seinem Fachgebiet auch sein mag, ist ein brillanter Schreiber. Der legendäre Hans Konitschek, Lokalreporter der »Kronen Zeitung« in den sechziger Jahren, war dank seiner exzellenten Beziehungen zur Polizei zumeist als Erster am Tatort, wenn ein Mord passierte. Wenn andere Journalisten noch auf den hochoffiziellen Polizeibericht warteten – Konitschek hatte mit Nachbarn und ermittelnden Beamten bereits ausführlich geredet, wusste oft schon, wer der Täter war und hatte seine Mordgeschichte längst zu Papier gebracht. Er war einer der bes­ten Lokalreporter des Landes. Nur eines konnte er nicht: druckreif formulieren.

Deshalb musste der diensthabende Redakteur der »Krone« Konitscheks Texte bearbeiten, bevor sie in Druck gingen. Oder besser gesagt: komplett umschreiben. Als der für diese Aufgabe abgestellte Roman Schliesser, späterer »Adabei« beim Kleinformat, einmal nicht im Haus war, setzte Konitschek nach einem besonders grässlichen Verbrechen, schreiberisch gänzlich allein gelassen, folgende Schlagzeile ins Blatt: Da blieb dem Auge des Gesetzes vor Schreck der Mund offen.

Als der Krone-Reporter einmal kurz vor Drucklegung die Meldung über ein Sexualdelikt im Überschwemmungsgebiet der Donau auf den Schreibtisch bekam, fehlten Zeit und die helfende Hand des Umschreibers. In höchster Eile diktierte Hans Konitschek folgenden Satz: Plötzlich zerrte der Unhold sein Opfer in ein Gebüsch, und dort zeigte er ihm sein wahres Gesicht.